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Human Factory · Themenwelt 05 · Modell 05

Operational Risk Model

Basel II · 2004 · vereinfacht

05

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Kern-Aussage

Jede Organisation hat operative Risiken — die Frage ist nur, ob sie sie bewusst managt oder zufällig mit ihnen umgeht. Die vier Quellen bilden ein vollständiges Bild der nicht-strategischen Risiken, die den Alltag prägen.

Die 4 Risikoquellen (nach Basel II)

Menschen

Fehler, Fehlverhalten, Ausfall von Schlüsselpersonen, mangelnde Qualifikation.

Prozesse

Fehlerhafte Abläufe, fehlende Kontrollen, unklare Verantwortlichkeiten.

Systeme

IT-Ausfälle, Datenverlust, Sicherheitslücken, Technologieabhängigkeit.

Externe Ereignisse

Marktveränderungen, regulatorische Eingriffe, Lieferantenausfälle.

Operatives Risiko = Verlust durch unzureichende Prozesse, Menschen, Systeme oder externe Ereignisse.

Besonders unterschätzt

  • M

    Menschen — Schlüsselpersonenabhängigkeiten sind der häufigste blinde Fleck. Wenn ein Mitarbeitender geht, geht das Wissen mit.

  • P

    Prozesse — Abläufe, die niemand mehr vollständig versteht, sind tickende Zeitbomben. Dokumentation ist keine Bürokratie, sondern Schutz.

  • E

    Externe Ereignisse — Lieferantenausfälle, regulatorische Änderungen und Marktschocks kommen selten mit Vorwarnung.

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Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Operational Risk Model

Basel II · 2004 · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • Schlüsselpersonenabhängigkeiten benennen, aber nicht adressieren — weil es unbequem ist, das Gespräch zu führen
  • Risikomanagement als Compliance-Übung behandeln, statt als strategisches Steuerungswerkzeug
  • Den Faktor 'Mensch' in der Risikobetrachtung ausklammern, weil er sich schwerer quantifizieren lässt als IT oder Prozesse

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Neue Projekte und Prozesse durchlaufen eine operative Risikoprüfung — bevor sie live gehen, nicht danach
  • +Incidents werden nach Kategorie (Mensch, Prozess, System, Extern) erfasst und ausgewertet
  • +Schlüsselpersonenabhängigkeiten sind dokumentiert und es gibt aktive Maßnahmen dagegen
  • +IT- und Systemrisiken werden in der Geschäftsführung besprochen — nicht nur in der IT-Abteilung

Buzzword-Check

  • 'Nur für Banken': Operatives Risiko existiert in jeder Organisation — Basel II hat es formalisiert, nicht erfunden
  • 'Risikomatrix': Eine Matrix ist ein Werkzeug, kein System. Ohne Verantwortliche, Kontrollen und Review bleibt sie Papierdekoration
  • 'Das managen wir situativ': Situatives Risikomanagement ist reaktives Risikomanagement — und kostet strukturell mehr als systematische Prävention

Einsatzmöglichkeiten

  • Jahresplanung: Operative Risikoprüfung nach den vier Quellen als fester Bestandteil der Strategie- und Budgetplanung
  • Projektstart: Jedes größere Projekt mit einer 4-Quellen-Risikoprüfung beginnen — vor der ersten Implementierung
  • Personalentscheidungen: Bei der Besetzung kritischer Rollen explizit prüfen: Wo entsteht Schlüsselpersonenabhängigkeit?
  • Incident-Management: Jede Störung kategorisieren — und monatlich auswerten, welche Quelle am häufigsten auftritt

Was kann ich morgen schon tun?

1

4-Quellen-Scan

Die eigene Organisation durch alle vier Risikoquellen betrachten: Wo sind die größten unadressierten Risiken gerade?

2

Schlüsselperson-Check

Drei Namen notieren, deren Ausfall oder Abgang morgen ein ernstes Problem wäre. Was ist dagegen vorbereitet?

3

Incident kategorisieren

Den letzten Fehler oder die letzte Störung nehmen und einer der vier Quellen zuordnen. Was lernt man daraus?

Meine Gedanken

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