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Seite 1 — Verstehen

Human Factory · Themenwelt 05 · Modell 07

Pre-Mortem

Gary Klein · Harvard Business Review · 2007

07

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Kern-Aussage

Bevor das Projekt beginnt, stellt das Team sich vor, es ist gescheitert. Was war der Grund? Diese eine Frage bricht Optimism Bias auf, verhindert Groupthink und bringt ans Licht, was jeder dachte, aber niemand sagte.

Der Pre-Mortem-Prozess (Klein, 2007)

01

Vorstellung aktivieren

Das Team versetzt sich in die Zukunft: Das Projekt ist abgeschlossen — und gescheitert.

02

Individuell erfassen

Jede Person schreibt still auf, was zum Scheitern führte. Erst dann wird geteilt.

03

Teilen und diskutieren

Reihum vorstellen. Wiederkehrende Themen markieren, Überraschungen besprechen.

04

Plan anpassen

Erkenntnisse fließen zurück: Neue Barrieren, Kontrollpunkte, Frühwarnindikatoren.

Dauer: 30–60 Minuten · Zeitpunkt: direkt vor Projektstart

Warum es funktioniert

  • 1

    Optimism Bias — die Scheiterns-Hypothese bricht den Optimismus-Rahmen auf. Das Gehirn sucht jetzt aktiv nach Gefahren statt nach Bestätigung.

  • 2

    Planning Fallacy — Studien zeigen: Das Vorstellen eines konkreten Scheiterns verbessert die Identifikation von Ursachen um bis zu 30 %.

  • 3

    Groupthink — individuelle Erfassung vor Gruppenabstimmung verhindert, dass die erste Meinung alle anderen bestimmt.

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Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Pre-Mortem

Gary Klein · 2007 · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • Pre-Mortem als Negativitäts-Übung missverstehen — es geht nicht ums Zweifeln, sondern um strukturiertes Vorausdenken
  • Die Gruppenphase zu früh starten: Wenn jemand zuerst seine Scheiterns-Szenarien teilt, beeinflusst das alle anderen
  • Erkenntnisse aus dem Pre-Mortem nicht in den Plan überführen — dann ist die Methode wirkungslos

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Vor bedeutsamen Projekten und Entscheidungen wird die Pre-Mortem-Frage gestellt — als Standard, nicht als Ausnahme
  • +Bedenken, die bisher unausgesprochen blieben, kommen in der Scheiterns-Analyse an die Oberfläche
  • +Die Führungskraft teilt eigene Scheiterns-Szenarien — und öffnet damit den Raum für ehrliche Beiträge
  • +Planänderungen nach einem Pre-Mortem sind dokumentiert und nachvollziehbar

Buzzword-Check

  • 'Risikoworkshop': Pre-Mortem ist psychologisch präziser: Die Scheiterns-Hypothese aktiviert andere kognitive Pfade als abstrakte Risikolisten
  • 'Pessimismus': Pre-Mortem ist kognitiver Realismus — es nutzt die menschliche Mustererkennung gezielt, statt sie durch Optimismus zu unterdrücken
  • 'Post-Mortem': Post-Mortem schaut zurück nach dem Scheitern. Pre-Mortem schaut voraus — und verhindert, dass das Post-Mortem nötig wird

Einsatzmöglichkeiten

  • Projektstart: Standard-Pre-Mortem vor jedem Projekt ab einer definierten Größenordnung — in maximal 45 Minuten durchführbar
  • Investitionsentscheidungen: Vor signifikanten Investitionen die Scheiterns-Perspektive explizit einnehmen
  • Teamführung: In neuen Teams früh einsetzen — die Methode baut Vertrauen und legt Qualitätsstandards fest
  • Produktentwicklung: Vor dem Launch fragen: Wenn dieses Produkt in einem Jahr gescheitert ist — was war der häufigste Grund?

Was kann ich morgen schon tun?

1

Pre-Mortem durchführen

Beim nächsten Projektstart: 'Stellt euch vor, es ist in einem Jahr gescheitert — was war der Grund?' Erst individuell, dann teilen.

2

Führungskraft geht vor

Als erste Person im Raum eigene Scheiterns-Szenarien nennen — das öffnet den Raum für ehrliche Beiträge aller anderen.

3

Plan verändern

Mindestens einen Planpunkt aufgrund des Pre-Mortems konkret anpassen. Kein Pre-Mortem ohne messbare Konsequenz.

Meine Gedanken

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