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Human Factory · Themenwelt 04 · Modell 06

Communities of Practice

Lave & Wenger · 1991 / Wenger · 1998

06

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Kern-Aussage

Lernen geschieht primär in sozialen Praxisgemeinschaften — durch gemeinsames Tun, nicht durch Zuhören. Ein Großteil des organisationalen Wissens ist nicht dokumentierbar: es lebt in den Praktiken von Menschen, die zusammenarbeiten.

Die drei Merkmale einer CoP (Wenger, 1998)

Gemeinsame Domäne

Ein geteiltes Wissens- und Interessensgebiet, das die Gemeinschaft zusammenhält und ihr Handeln orientiert.

Gemeinschaft

Beziehungen, gegenseitiges Engagement und gemeinsames Lernen durch Interaktion — formell und informell.

Praxis

Ein gemeinsames Repertoire an Werkzeugen, Geschichten, Methoden und Routinen, das durch gemeinsames Tun entsteht.

3 Kern-Gedanken

  • 01

    Das wichtigste organisationale Wissen ist nicht dokumentierbar — es lebt in den Praktiken von Menschen, die zusammenarbeiten. Wissensmanagement-Datenbanken erfassen nur die Oberfläche.

  • 02

    Newcomer lernen durch Teilnahme: zunächst am Rand (legitimate peripheral participation), schrittweise ins Zentrum. Nicht durch Handbücher, sondern durch Menschen.

  • 03

    CoPs lassen sich nicht verordnen — sie können nur gefördert werden. Zeit, Raum und Sichtbarkeit für gemeinsame Praxis schaffen die Bedingungen.

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Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Communities of Practice

Lave & Wenger · 1991 · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • CoPs von oben verordnen: 'Wir gründen jetzt eine Community of Practice.' — informelles Lernen lässt sich nicht befehlen.
  • Domäne zu breit wählen: 'Alle Führungskräfte' ist keine CoP, sondern eine Zielgruppe. Gemeinsame Praxis fehlt.
  • Wissenstransfer ausschließlich auf Dokumentation setzen — implizites Wissen lässt sich kaum verschriften.

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Neue Mitarbeitende integrieren sich über gemeinsame Praxis — nicht nur über Unterlagen und Schulungen.
  • +Abteilungsübergreifende informelle Netzwerke existieren und werden aktiv gepflegt.
  • +Erfahrene Praktiker werden als Lernressource sichtbar gemacht und eingesetzt.
  • +Beim Ausscheiden von Schlüsselpersonen gibt es strukturierte Übergaben — Shadowing, Tandems.

Buzzword-Check

  • Wissensmanagement: Oft reduziert auf Datenbanken. CoPs zeigen: Das wichtigste Wissen lebt in Praktiken, nicht in Dokumenten.
  • Netzwerk: Ein Netzwerk verbindet Menschen. Eine CoP verbindet Praktizierende einer gemeinsamen Domäne — das ist substanziell tiefer.
  • Community: Im Unternehmenskontext oft als Plattform missverstanden. Wengers CoP ist eine lebendige Praxisgemeinschaft, keine Slack-Gruppe.

Einsatzmöglichkeiten

  • Wissenstransfer: Schlüsselpersonen nicht durch Dokumentation ersetzen, sondern durch Tandems und Shadowing.
  • Onboarding: Neue Mitarbeitende schrittweise in bestehende Praxisgemeinschaften einführen.
  • Innovation: Abteilungsübergreifende CoPs zu Zukunftsthemen — Expertise verbinden, bevor Silos sie trennen.
  • Expertenwissen: Informelle Lerngemeinschaften in kritischen Funktionen identifizieren und strukturell unterstützen.

Was kann ich morgen schon tun?

1

Informelle Netzwerke sichtbar machen

Welche Praxisgemeinschaften existieren bereits im Unternehmen — und werden sie aktiv unterstützt oder dem Zufall überlassen?

2

Onboarding neu denken

Die nächste Einarbeitung nicht als Informationsweitergabe gestalten, sondern als schrittweise Teilnahme an bestehender Praxis.

3

Wissenstransfer planen

Wenn eine Schlüsselperson das Team verlässt — Shadowing oder Tandem einplanen statt auf Dokumentation zu setzen.

Meine Gedanken

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