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Seite 1 — Verstehen

Human Factory · Themenwelt 04 · Modell 05

Experiential Learning

David Kolb · 1984

05

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Kern-Aussage

Wissen entsteht nicht durch passives Aufnehmen von Informationen, sondern durch die aktive Transformation von Erfahrung. Der Lernzyklus aus Erleben, Reflektieren, Konzeptualisieren und Experimentieren erklärt, warum reine Wissensvermittlung so selten wirkt.

Der Lernzyklus nach Kolb (1984)

01 — Konkretes Erleben

Eine Erfahrung machen — etwas tun, erleben, ausprobieren. Stärkster Einstiegspunkt.

02 — Beobachtende Reflexion

Innehalten: Was ist passiert? Was habe ich wahrgenommen? Wie war es für andere?

03 — Abstrakte Konzeptualisierung

Schlussfolgerungen ziehen: Was lässt sich ableiten? Welches Prinzip steckt dahinter?

04 — Aktives Experimentieren

Das Gelernte erproben: Was mache ich beim nächsten Mal anders? Wie wende ich es an?

3 Kern-Gedanken

  • 01

    Erfahrung allein lehrt nichts. Erst die strukturierte Reflexion danach macht Erfahrung zu Lernen — das ist Kolbs zentraler Punkt.

  • 02

    Die meisten Trainings überspringen den stärksten Einstiegspunkt: die konkrete Erfahrung. Sie beginnen mit Theorie — und wundern sich, warum nichts hängen bleibt.

  • 03

    70-20-10: 70 % des Lernens entsteht durch Praxiserfahrung. Lernen am Arbeitsplatz ist die mächtigste Entwicklungsquelle — wenn Reflexion strukturell verankert ist.

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Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Experiential Learning

David Kolb · 1984 · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • Mit Theorie starten: Folienpräsentation zuerst, dann Übung — damit wird der stärkste Einstiegspunkt des Zyklus übersprungen.
  • Reflexionsphase wegkürzen: 'Wir haben keine Zeit' — dabei ist sie der Kern, der Erfahrung zu Lernen macht.
  • Den Zyklus linear erzwingen: Menschen haben unterschiedliche Lernstile und steigen an verschiedenen Punkten ein.

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Trainings und Workshops starten mit konkreten Fällen oder Praxisübungen — Theorie folgt danach.
  • +Reflexionsphasen sind fest eingeplant und werden nicht gestrichen, wenn es zeitlich eng wird.
  • +Teilnehmende formulieren Schlussfolgerungen selbst: 'Das allgemeine Prinzip dahinter ist ...'
  • +Transferaufgaben werden definiert und beim nächsten Treffen tatsächlich besprochen.

Buzzword-Check

  • Erfahrungslernen: Erfahrung allein lehrt nichts. Erst die strukturierte Reflexion macht Erfahrung zu Lernen.
  • Action Learning: Verwandtes Konzept, aber nicht identisch. Action Learning betont Gruppenreflexion; Kolbs Zyklus ist ein Individualmodell.
  • Learning by Doing: Vereinfachung. Tun ohne Reflexion ist nur Wiederholung. Der Zyklus braucht alle vier Phasen.

Einsatzmöglichkeiten

  • Workshop-Design: Jeden Workshop am konkreten Fall beginnen — erst danach Modell oder Theorie einführen.
  • FK-Entwicklung: Simulationen mit strukturierter Debriefing-Phase verbinden — Erleben und Reflexion im Tandem.
  • Onboarding: Neue Mitarbeitende aktiv in Praxis einbinden und regelmäßige Reflexionsgespräche einplanen.
  • Teamentwicklung: Gemeinsame Erfahrungen als Lernquelle nutzen — mit Kolbs Zyklus als Reflexionsrahmen.

Was kann ich morgen schon tun?

1

Reihenfolge umkehren

Das nächste Training oder Meeting mit einem konkreten Fall oder einer Übung beginnen — Theorie erst danach einführen.

2

Reflexionszeit einplanen

Nach der nächsten Praxissituation bewusst 5 Minuten nehmen: 'Was haben wir erlebt? Was lässt sich daraus ableiten?'

3

Transferaufgabe formulieren

Am Ende jeder Lerneinheit fragen: 'Was probierst du bis nächste Woche konkret aus?' — und beim nächsten Mal nachfragen.

Meine Gedanken

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