Zurück zum Modell

Seite 1 — Verstehen

Human Factory · Themenwelt 04 · Modell 08

Pre-Mortem

Gary Klein · 2007 · Prospektive Retrospektive

08

Seite 1 / 2

Kern-Aussage

Der After Action Review schaut zurück. Die Pre-Mortem-Methode schaut nach vorn. Zusammen bilden sie einen vollständigen Reflexionszyklus — und trainieren die Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen, bevor sie gemacht werden.

Pre-Mortem vs. After Action Review

Pre-Mortem — vor dem Start

Prospektiv: Was könnte schiefgehen? Ziel: Plan verbessern, Lernen vor der Erfahrung.

After Action Review — nach dem Ende

Retrospektiv: Was ist passiert? Ziel: Aus Erfahrung lernen, Lernen nach der Erfahrung.

Zusammen — vollständiger Zyklus

Beide Methoden schließen den Lernzyklus — prospektiv und retrospektiv. Erst wenn beides gelebt wird, ist Reflexion vollständig.

3 Kern-Gedanken

  • 01

    Das Team stellt sich vor Projektbeginn vor, es sei bereits gescheitert — und sucht rückwärts nach den Ursachen. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern gezieltes Lernvorbereitung.

  • 02

    Individuelle Reflexion vor Gruppenabstimmung: Erst allein nachdenken, dann teilen — so kommen die wertvollsten, unkonformen Perspektiven an die Oberfläche.

  • 03

    Pre-Mortem und AAR gehören zusammen: einer schaut nach vorn, der andere nach hinten. Zusammen schließen sie den Lernzyklus, den die meisten Organisationen nie vollständig durchlaufen.

Human Factory

human-factory.de/inside/lernen

QR Code

Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Pre-Mortem

Gary Klein · 2007 · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • Pre-Mortem als Risikoliste verstehen — es ist ein Lernformat, kein Risikomanagement-Tool.
  • Gruppenabstimmung vor individueller Reflexion — das unterdrückt die unkonformen Perspektiven, die am wertvollsten sind.
  • Pre-Mortem einmalig einsetzen statt als festes Tandem mit dem After Action Review zu etablieren.

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Bedenken kommen vor dem Start ans Licht — nicht erst nach dem Scheitern.
  • +Pre-Mortem und After Action Review werden als zusammengehöriges Reflexionspaar gelebt.
  • +Learnings aus Pre-Mortems fließen messbar in Folgeprojekte ein — sie landen nicht in der Schublade.
  • +Bedenken äußern wird zur Norm: Psychologische Sicherheit steigt nachweislich.

Buzzword-Check

  • Risikoanalyse: Pre-Mortem ist primär ein Lernformat — die Risikoidentifikation ist ein Nebenprodukt, nicht das Ziel.
  • Worst-Case-Szenario: Pre-Mortem fragt nach dem Wahrscheinlichen, das übersehen werden könnte — nicht nach dem Schlimmsten.
  • Lessons Learned: Lessons Learned ist retrospektiv. Pre-Mortem ist prospektiv. Beides zusammen schließt den Lernzyklus.

Einsatzmöglichkeiten

  • Projektplanung: Pre-Mortem und AAR als festes Tandem — vor jedem Projekt, nach jedem Projekt.
  • Trainings & Workshops: Als Lernformat: Was könnte daran scheitern, dass wir das Gelernte anwenden?
  • Führungskräfte: Bedenken aktiv einladen: 'Was könnten wir übersehen haben?' als reguläre Planungsfrage.
  • Kulturindikator: Wo Pre-Mortem und AAR gelebt werden, ist Lernen kein Lippenbekenntnis.

Was kann ich morgen schon tun?

1

Einladen statt warnen

Vor dem nächsten Projekt fragen: 'Stellt euch vor, es ist in 6 Monaten gescheitert — was war der Grund?' — und schweigen.

2

Erst allein, dann zusammen

Alle Beteiligten 3 Minuten individuell schreiben lassen, bevor die Gruppe spricht. So kommen die wertvollsten Perspektiven ans Licht.

3

Tandem planen

Für das nächste Projekt sowohl Pre-Mortem (vor dem Start) als auch AAR (nach dem Ende) fest einplanen — als zusammengehöriges Paar.

Meine Gedanken

Human Factory

human-factory.de/inside/lernen

QR Code

Im Browser: „Als PDF speichern" wählen · Seitenlayout: Hochformat · Ränder: Keine