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Seite 1 — Verstehen

Human Factory · Themenwelt 03 · Modell 07

Transaktionales
Stressmodell

Richard Lazarus & Susan Folkman · 1984

07

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Kern-Aussage

Stress entsteht nicht durch die Situation — sondern durch die Bewertung der Situation. Stress tritt auf, wenn die wahrgenommenen Anforderungen die wahrgenommenen Ressourcen übersteigen. Beides ist beeinflussbar.

Das Modell (Lazarus & Folkman, 1984)

Stressor

Eine Anforderung, ein Ereignis oder eine Veränderung tritt auf.

Primäre Bewertung

Ist die Situation für mich relevant? Bedeutet sie Bedrohung, Verlust oder Herausforderung?

Sekundäre Bewertung

Habe ich die Ressourcen, damit umzugehen? Was kann ich tun?

Coping

Problemorientiert: den Stressor verändern. Emotionsorientiert: die eigene Reaktion regulieren.

Neubewertung (Reappraisal) ist jederzeit möglich.

3 Kern-Aussagen

  • 01

    Stress ist kein Schicksal — er ist ein Bewertungsprozess. Sowohl primäre als auch sekundäre Bewertung lassen sich beeinflussen.

  • 02

    Warum reagieren zwei Personen auf dieselbe Situation völlig unterschiedlich? Weil ihre Bewertungen verschieden sind — nicht die Situation.

  • 03

    Organisationen können an beiden Seiten der Gleichung arbeiten: Anforderungen transparent machen UND Ressourcen aufbauen.

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Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Transaktionales Stressmodell

Lazarus & Folkman · 1984 · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • Stressmanagement auf Symptomebene ansiedeln (Entspannungsübungen) ohne an den Bewertungsprozessen zu arbeiten.
  • Workload reduzieren, aber Handlungsspielraum und Klarheit vernachlässigen — sekundäre Bewertung bleibt niedrig.
  • Individuelle Unterschiede im Stresserleben ignorieren und einheitliche Maßnahmen für alle vorschreiben.

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Mitarbeitende sprechen über ihre Bewertung von Stressoren — nicht nur über die Belastung an sich.
  • +Neubewertungen entstehen im Team: 'Das ist schwierig, aber wir haben die Mittel, damit umzugehen.'
  • +Problemorientiertes Coping nimmt zu — weniger Vermeidung, mehr aktive Lösungssuche.
  • +Soziale Unterstützung wird als Ressource genutzt, nicht als Schwäche wahrgenommen.

Buzzword-Check

  • Stress-Resistenz: Das Modell erklärt Stress als Bewertungsprozess — Ziel ist nicht Resistenz, sondern flexible Coping-Kompetenz.
  • Achtsamkeit: Achtsamkeit schärft die Wahrnehmung, ersetzt aber nicht die strukturelle Arbeit an Ressourcen und Bewertungsrahmen.
  • Stressbewältigung: Lazarus unterscheidet problem- und emotionsorientiertes Coping — pauschale Bewältigungskonzepte greifen zu kurz.

Einsatzmöglichkeiten

  • Veränderungsmanagement: Erklären, warum Menschen unterschiedlich reagieren — primäre Bewertung durch Transparenz beeinflussen.
  • Coaching: Bewertungsmuster reflektieren: Wie bewertet die Person die Situation? Welche Ressourcen übersieht sie?
  • Führungsverhalten: Handlungsspielraum und Rollenklarheit sicherstellen — beides stärkt die sekundäre Bewertung direkt.
  • Gefährdungsbeurteilung: Primäre und sekundäre Bewertungen im Team erheben — als Diagnose für gezielte strukturelle Maßnahmen.

Was kann ich morgen schon tun?

1

Transparenz schaffen

In der nächsten Veränderung: Situation klar erklären, Zeitplan kommunizieren, Unklarheiten aktiv ansprechen — primäre Bewertung beeinflussen.

2

Ressourcen benennen

Gemeinsam im Team fragen: Welche Mittel haben wir? Wer kann unterstützen? Welche Stärken bringen wir mit? Sekundäre Bewertung stärken.

3

Coping-Dialog starten

In Gesprächen fragen: 'Was kannst du konkret tun?' — problemorientiertes Coping aktivieren statt Symptome zu besprechen.

Meine Gedanken

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