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Seite 1 — Verstehen

Human Factory · Themenwelt 01 · Modell 03

Just
Culture

Sidney Dekker · Griffith University · 2007

03

Seite 1 / 2

Kern-Aussage

Weder alles bestrafen noch alles entschuldigen — Just Culture unterscheidet klar zwischen menschlichem Fehler, riskanter Entscheidung und Fahrlässigkeit. Das ist der einzige Rahmen, in dem Lernen und Verantwortung gleichzeitig möglich sind.

Drei-Zonen-Modell (Dekker)

Menschlicher Fehler

Unbeabsichtigt — hätte jedem passieren können.

Unterstützen & aufklären

Riskantes Verhalten

Risiko wurde nicht erkannt oder unterschätzt.

Coachen & sensibilisieren

Fahrlässigkeit

Bewusstes Eingehen unvertretbarer Risiken.

Konsequenzen & Sanktionen

3 Kernaussagen

  • 01

    Blame Culture verhindert Lernen. No-Blame Culture untergräbt Verantwortung. Just Culture ist der einzige dritte Weg.

  • 02

    Die erste Frage nach einem Fehler entscheidet alles: 'Wer war das?' oder 'Was ist passiert?'

  • 03

    Ohne Just Culture investieren Organisationen in Sicherheit und Qualität — und ernten trotzdem keine Verbesserung.

Human Factory

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Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Just Culture

Sidney Dekker · 2007 · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • No-Blame als Freifahrtschein — wenn Verantwortung komplett verschwimmt, verliert die Kultur ihre Integrität.
  • Bei Vorfällen zuerst nach Personen suchen, nicht nach Ursachen — verhindert systemisches Lernen.
  • Just Culture einführen ohne Führungskräfte zu befähigen — wer nicht unterscheiden kann, reagiert reflexartig.

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Freiwillig gemeldete Beinahefehler nehmen zu — Melden wird als sicher erlebt.
  • +Die erste Frage nach einem Vorfall ist 'Was ist passiert?' — nicht 'Wer war das?'
  • +Konsequenzen sind differenziert — sie folgen dem Verhalten, nicht dem Ergebnis.
  • +Führungskräfte nutzen Fehler als Lernmaterial — sichtbar und ohne Schuldzuweisung.

Buzzword-Check

  • No-Blame-Kultur: Verantwortung muss klar bleiben — kein Freifahrtschein.
  • Null-Fehler-Ziel: Senkt die Meldbereitschaft und erzeugt Scheinrealität.
  • Lessons Learned: Dokument ohne Konsequenz ist Ablage, keine Reflexion.

Einsatzmöglichkeiten

  • Incident-Analyse: Strukturierte Nachbereitung nach Dekker-Dreizonen.
  • FK-Entwicklung: Differenziertes Reagieren auf Fehler trainieren.
  • Compliance & Qualität: Meldesysteme so gestalten, dass Transparenz belohnt wird.
  • Onboarding: Was lernen Neue über den Umgang mit Fehlern?

Was kann ich morgen schon tun?

1

Erste Frage ändern

Nach dem nächsten Fehler oder Vorfall: 'Was ist passiert?' als erste Frage stellen — nicht 'Wer war das?'

2

Fehlerart einordnen

Den letzten größeren Vorfall mit dem Dreizonen-Modell einordnen: Fehler, riskantes Verhalten oder Fahrlässigkeit?

3

Konsequenz begründen

Wenn eine Reaktion auf einen Fehler nötig ist: die Begründung transparent kommunizieren — warum diese Reaktion?

Meine Gedanken

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