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Human Factory · Themenwelt 06 · Modell 08

Calling /
Berufung

Wrzesniewski et al. · 1997

08

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Kern-Aussage

Manche Menschen haben einen Job, andere eine Karriere — und einige erleben ihre Arbeit als Berufung. Diese Orientierung hängt nicht vom Beruf ab. Sie ist eine Haltung zur eigenen Arbeit — und Organisationen können sie ermöglichen oder zerstören.

Drei Orientierungen zur Arbeit (Wrzesniewski et al., 1997)

JobArbeit als Mittel
Hauptmotiv: EinkommenBedeutung liegt außerhalb der Arbeit
KarriereArbeit als Aufstieg
Hauptmotiv: Status & ErfolgBedeutung durch Anerkennung
CallingArbeit als Berufung
Hauptmotiv: Sinn & BeitragBedeutung in der Arbeit selbst

Die Orientierung hängt nicht zwingend vom Beruf ab — sie ist eine Haltung zur eigenen Arbeit.

3 Kern-Einsichten

  • 01

    Menschen mit Calling-Orientierung zeigen höhere Arbeitszufriedenheit, stärkeres Engagement, weniger Burnout-Risiko und größere Bereitschaft, über das Vereinbarte hinaus beizutragen.

  • 02

    Die Calling-Orientierung hängt nicht vom Beruf ab. Krankenpfleger, Reinigungskräfte und Juristinnen können gleichermaßen eine Calling-Orientierung haben — oder nicht.

  • 03

    Unantwortetes Calling — das Gefühl, woanders oder anders wirken zu müssen — ist eine der stärksten Quellen innerer Kündigung. Wer es ignoriert, verliert Menschen früher als erwartet.

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Human Factory · Calling / Berufung

Wrzesniewski et al. · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • Calling durch Incentives erzwingen wollen — es entsteht durch Bedingungen, nicht durch Boni.
  • Calling als Privileg von Führungskräften oder Kreativen sehen — es ist in jeder Rolle möglich.
  • Unantwortetes Calling ignorieren — es ist eine der stärksten Quellen innerer Kündigung.

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Menschen beschreiben ihre Arbeit in Begriffen von Beitrag — nicht nur von Aufgaben und Zuständigkeiten.
  • +Engagement bleibt auch dann hoch, wenn äußere Anreize ausbleiben.
  • +Job-Crafting findet statt: Mitarbeitende gestalten aktiv, wie sie ihre Rolle ausfüllen.
  • +Fluktuation bei Mitarbeitenden mit hoher Sinnkongruenz sinkt messbar.

Buzzword-Check

  • Purpose-Driven: Purpose ist ein Organisationsbegriff. Calling ist individuell — beide müssen nicht deckungsgleich sein, können sich aber stärken.
  • Leidenschaft folgen: Calling entsteht oft durch Kompetenz und Beitrag — nicht durch das Verfolgen diffuser Leidenschaften.
  • Mitarbeiterbindung: Calling ist kein Bindungsinstrument — es ist eine Grundlage für intrinsisches Engagement. Der Unterschied ist entscheidend.

Einsatzmöglichkeiten

  • Entwicklungsgespräche: Explizit fragen: Was gibt dieser Arbeit für dich Bedeutung? Was würdest du auch ohne Gehaltserhöhung tun?
  • Recruiting & Onboarding: Sinnkongruenz als Kriterium: Passt die Arbeit zu dem, was diesem Menschen wirklich wichtig ist?
  • Job-Crafting: Mitarbeitenden Gestaltungsspielraum geben, Aufgaben an ihre Calling-Orientierung anzupassen.
  • Talentbindung: Unantwortetes Calling ernst nehmen — wer das Gefühl hat, woanders gebraucht zu werden, geht früher oder später.

Was kann ich morgen schon tun?

1

Bedeutungs-Gespräch führen

Im nächsten Entwicklungsgespräch fragen: Was gibt dieser Arbeit für dich Bedeutung? Was würdest du auch tun, wenn niemand zuschaut?

2

Job-Crafting ermöglichen

Einen Mitarbeitenden fragen, ob er Aufgaben oder Beziehungen so gestalten könnte, dass die Arbeit besser zu ihm passt. Raum dafür öffnen.

3

Unantwortetes Calling erkennen

Wer wirkt innerlich abwesend oder anderswo? Nachfragen — nicht werten. Unantwortetes Calling ist ein Signal, kein Charakterproblem.

Meine Gedanken

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