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Seite 1 — Verstehen

Human Factory · Themenwelt 06 · Modell 01

Existenz-
analyse

Viktor Frankl · Alfried Längle · ab 1946

01

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Kern-Aussage

Was braucht ein Mensch, um wirklich lebendig zu sein — nicht nur zu funktionieren? Die Existenzanalyse gibt vier Antworten, die für Führung und Organisationsentwicklung grundlegend sind.

Die vier Grundmotivationen (Alfried Längle)

1.Ich kann sein.Dasein & Raum

Das Bedürfnis nach Schutz, Halt und dem Recht, so zu sein, wie man ist.

2.Ich mag leben.Wert & Beziehung

Das Bedürfnis nach Nähe, Wärme und dem Erleben von Wert in der Welt.

3.Ich darf ich sein.Identität & Würde

Das Bedürfnis, als eigene Person anerkannt und gewürdigt zu werden.

4.Es ist gut, dass ich bin.Sinn & Zukunft

Das Bedürfnis nach Sinn — einem Wozu, das über die eigene Person hinausweist.

3 Kern-Einsichten

  • 01

    Führung, die nur auf Leistung schaut, übersieht den Menschen. Verletzungen der Grundmotivationen zeigen sich als 'schlechte Einstellung' — aber die Ursache liegt tiefer.

  • 02

    Was als Motivationsproblem erscheint, ist oft das Signal einer verletzten Grundmotivation. Das verändert die Diagnose — und damit die Antwort.

  • 03

    Wenn alle vier GMs erfüllt sind, 'brennt' ein Mensch. Engagement ist kein Persönlichkeitsmerkmal — es ist ein Ergebnis von Bedingungen.

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Seite 2 — Arbeiten

Human Factory · Existenzanalyse

Viktor Frankl · Alfried Längle · Seite 2 / 2

Arbeiten

Praxis

Stolperfallen

  • Die vier Grundmotivationen als Checkliste statt als Diagnoserahmen verwenden — ohne echtes Zuhören.
  • GM 4 (Sinn) als einzige Stellschraube behandeln, während GM 1–3 unbehandelt bleiben.
  • Existenzanalyse auf Psychotherapie reduzieren — das Modell ist ebenso ein Führungs- und OE-Instrument.

Woran erkenne ich Fortschritt?

  • +Mitarbeitende äußern seltener 'Wozu das alles?' — GM 4 ist spürbar stabiler.
  • +Führungsgespräche adressieren das, was tatsächlich fehlt — nicht nur das sichtbare Symptom.
  • +Rückzugsverhalten oder Aggression nimmt ab, wenn die dahinterliegende GM benannt wird.
  • +Teams beschreiben ihre Arbeit als bedeutsam — nicht nur als Aufgabe.

Buzzword-Check

  • Selbstverwirklichung: Zielt nicht auf Selbstverwirklichung, sondern auf Bedingungen eines würdevollen Daseins — das ist fundamentaler.
  • Bedürfnispyramide: Die vier GMs sind keine Hierarchie, sondern gleichzeitig relevante Dimensionen.
  • Resilienztraining: Resilienz ist ein Ergebnis erfüllter GMs — keine Technik, die man über verletzte GMs legen kann.

Einsatzmöglichkeiten

  • Führungsgespräche: Die vier GMs als Diagnoserahmen: Was braucht diese Person — Halt, Wert, Würde oder Sinn?
  • Teamdiagnose: Welche GM ist im Team strukturell verletzt? Ursachen benennen statt Symptome bekämpfen.
  • Kulturentwicklung: Welche GMs werden systematisch gefördert — welche untergraben?
  • FK-Entwicklung: Eigene verletzte GMs in der Führungsrolle reflektieren — nicht unbewusst übertragen.

Was kann ich morgen schon tun?

1

GM-Diagnose stellen

In einem Gespräch heute fragen: Was braucht diese Person gerade — Sicherheit, Wert, Würde oder Sinn? Nicht raten — zuhören.

2

Sinn explizit machen

Die Frage stellen: Wozu arbeiten wir hier? Was trägt unsere Arbeit bei? — Nicht als Rhetorik, sondern als echtes Gespräch.

3

Würde schützen

In der nächsten Situation, wo jemand übergangen oder nicht gehört wird: aktiv eingreifen und Würde als Führungsprinzip sichtbar machen.

Meine Gedanken

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